eine devotion der wörter

MYTHOS PATHOS EROS

I. Verzagt benommen als hätte ich gesündigt. Dort hängt es das Damoklesschwert. Steige auf den Schemel und durchtrenne das Rosshaar. Dionysos du Tyrann, du Chaos und Starker. Meine Haare bäumen, durchflossen von Stromwellen. Entzünde die Kerze, es scheint auf die Seele und mir fehlt der Schlüssel. Ein zierlicher kleiner Schlüssel für den rostigen Käfig. In ihm schlägt das Herz frigide und lethargisch. Mit dem Schwert breche ich das Gestänge. Es pumpt und schlägt und dennoch fern bleibt ihm Berührung.

 

II. „Einsamkeit!“ schrei ich im Exzess. "Bist die Mutter der Gefühle!" Die feinen Embleme aus Äderchen platzen und heilen wieder.

 

III. Ein Duett gesungen mit dem Teufel. Feistes Grinsen, ja, teuflisch. Maden der Gedanken, fressen sich fett an Unvernunft und Verführung. Im Kokon - wie rötlich - hört der Kopfschmerz auf. Ohne Flügel werden sie geboren, diese Fliegen. Können nur noch krabbeln und tun.

 

IV. Sisyphos – rollt und rollt.

 

V. Narziss, du. Flüstere still und leise mir selbst nur zu. Belächele mich, zucke und springe. Es juckt am Spiegel der Seele. Ist trocken wie die Prärie und rufe Wut. „Was bist du, wenn wir mehr sind?“

 

VI. Sehnsucht und Nostalgie.

 

VII. Unglücklich befangenes Himmelsbild, nach oben schauend. Räume ein die Ruhe des Wilds und wirke aufgeschreckt. Ich bäume wie das Reh und denke Keuschheit wärs. Spare mir die Poesie und es ward martialisch.    

neowelt du trümmerkotze

Im Epizentrum der Pupillenerweiterung entstand die Hypothese, dass man sich als Hypochonder am Sonntagmorgen auf eins der halboffenen Häuserdächer zu setzen pflegen müsse, um sich von der Sonne einen blasen zu lassen und einfach die Sehnerven mit bemoosten Backsteinen zu streicheln. Die in Korrelation gebrachten Fürze wurden mit einem Male in einer der Luftverwirbelungen aufgenommen. Erst war die Realität Gedicht, mehr als das: Ein Refugium. Aber irgendwann, wenn das noch vor Stunden vor Kraft strotzende Konstrukt in seinen Festen zu beben beginnt, hat man nur noch die Trümmer die einen umgeben. Zwischen dem sozialen Wohnungsbau versteckten sich nicht wenig schüchtern, teilweise resigniert, aber nicht verwahrlost, sondern einfach stehengelassen,  mehr hingenommen, die fünfstöckigen Lücken des kollektiven Gedächtnisses. Die Ausschläge wurden stärker, wahrnehmbarer, die Fantasie konnte Gestalt annehmen und vermischte sich mit denen die nicht anders konnten und denen die nicht mehr anders wollten. In der einen Hemisphäre tummelten sich die etablierten guten Kinder die keine Angst haben mussten. In der anderen die Gesetzlosen, Umtriebigen, Idealisten und Träumenden, die sich der Gefahr ausgesetzt sahen vom Leben schicksalhaft verschluckt zu werden und rauften sich auf einem Strich. Ein geräuschloser Schrei lies ganze Viertel divergieren, anderswo obduzierte weit hinter einer Subduktionszone ein Liebesnest für bereits verloren gedachte Schätze aus den morbiden Häuserhallen, gesäumt von Tristessen, schleierhafte Gesichter, abgenutzt und der Zerbröckelung fast anheim gefallen, die Fassaden wie ein empathieloses Kokon seiner Umwelt ungeachtet. Demiurgen einer neuen denkenden Vielfalt erhoben sich, die Freimauernden, die ihre Seelen in den Träumen, die sie aus eigenen Stücken komponierten und manifestierten, freiließen und sabbernd nach Neowelt lechzten, wurden Sein.

 

Ein Myzel kroch geistesgegenwärtig in die Glieder der Figuren, sog an ihren Kräften, verdauten, spuckten aus, verwerteten neu, zerrütteten Liegengelassenes, ließen verzweifeln, gaben Kraft – Symbiose – ein Messen mit dem eigenen Verstand.

 

Im Potenzial der Vielen lungerte ein Durchsetzungsvermögen, das darauf wartete den Käfig der Konvention der Konformisten zu sprengen, das Selbst in jedem könnte sich finden, sich und die anderen akzeptieren: wieder würde im Epizentrum der Pupillenerweiterung etwas stehen, dieses mal nicht nur synthetisch, sondern außerhalb der Taktik einer zukünftigen Lebensplanung im egozentrischen Materialismus, sondern der Verstand im Gespann zweier Pferde, die Liebe im Ganzen zu sehen, die Verwirklichung im richtigen Leben zu finden und den Statuskriegen und dem Beschleunigungsfiber Einhalt zu gebieten, objektiv zu erkennen das wir nicht über die Trümmer herrschen müssen, wir mit ihnen leben können, sie umgarnen, ihren Geschichten zuhören und vorsichtig sein und den Heuristiken Warnender Glauben schenken.

 

Neowelt. Neowelt. Neowelt. Neowelt.    

der fall

Winzig war die Hoffnung, als Refdenos der große Riese, wachsam und mit bedacht das Firmament erklomm und die Nimbusse seinen Körper umschlangen. Die kochende Wut richtete sich gegen den Erzengel Luzifer. Wunderbar waren die Regenbögen, die die Nimbusse schöpften. Elementare Naturgesetzte befähigten den Riesen, also die Größe seiner Lungen, das Firmament für den Lichtbringer frei zu machen. Er sah den Engel fallen, Refdenos öffnete seine Arme um den Erzengel zu fangen. Die glänzende Rüstung Luzifers blendete Refdenos und er verfehlte ihn um Haaresbreite. Die neu erlangte Gebrechlichkeit zerschmetterte seinen entheiligen Körper. Der Tod war Blasphemie vom Erhabensten selbst. Die Hoffnung war zerstört. Tränen füllten die Augen des Riesen, mit Bedauern kroch er zu dem Kadaver. Eine lebende Hand hob sich und zeigte mit letztem Willen empor; Ein gleißender Strahl brach die Hülle der Welt, das entstehende Vakuum sog die bösen Geister und Dämonen aus dem All. Die Metamorphose zwischen Allem hatte begonnen. Weder Himmel noch Erde sollten einzelne Teile im Universum bleiben. Dunkelheit und Licht stürzten Gut und Böse; Die Gleichgültigkeit sollte ein neues Wesen und Zentrum allen Seins werden.

 

Eine Milliarde und sechshundertundachtzehn Millionen Jahre später, im Wesen der Gleichgültigkeit wurde ein Nivilus geboren. Dieses Nivilierte hieß Aeque und repräsentiert seid seiner Geburt eine Form der Reinheit, frei, wie jedes Nivilus, von Allem; Der Natur, des Seins, des Raumes, der Zeit, der Entwicklung und der Gefühle. Nivilus konnte weder schöpfen, noch leben, noch denken, es war weder, noch ist es oder wird jemals sein. Aeque ein Abbild des Nihilus Meta-Dogma-Paradox und von jenem konstituiert und banalisiert. Man kann nicht verstehen, dass Aeque als Nivilus nicht zu erklären sei.


xenolalie

ist revolte eine rüstung

bichunik spricht es wird finsternis

der betrug

Woher nahm er diesen richtenden Blick, mit dem er ihn durchschnitt als wäre er eine persona non grata, der ihn unverzüglich in das Exil seiner bekümmernswerten Nischen seines Bewusstseins verbannte? Hatte er etwas einzuräumen? Die Falschheit dieser Meinungshegemonie wies intransparent Symptome von Absichten auf, die, aus welchem Blickwinkel auch betrachtet, sich in ihrer Fehlbarkeit, in einem Feld von Opportunismus und Vorteil sozialer Gefälligkeit, einer Anmaßung gleichkam, dass die Wut ihn nervös machte. Die Metapher eines Fisches an einem Haken und die Ohnmächtigkeit einer einsamen Revolte, eben diesem Haken wieder zu entfliehen, verschlug ihm die Sprache. Die Worte die dem Blick vorangegangen waren brannten so stark in seinem Gehirn, dass das Stigma welches ihm auferlegt wurde unbesiegbar erschien, einen Kopfschmerz auslösten und ihn lähmten. Er wünschte sich irgendein Phänomen das die Initiative ergreifen und mit dieser Intervention die Steine von dieser Situation nehmen würde. Nichts geschah. Ihm fiel nichts ein, was er dem hätte entgegnen können. Ruhelos schob er sich von rechts nach links auf dem Stuhl. Sein Antagonist genoss es, ihn zu richten. „Es ist falsch!“ schrie er und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und wäre ihm am liebsten sofort an den Hals gesprungen. Seine Lippen kräuselten sich und das Moment der Schwäche lies ihn weinen. Sah er kurzweilig einen Hauch von Mitleid oder Eingeständnis in dem Gesicht seines Gegenübers oder war es nur der Schreck vor dem Impuls? Er gab sich geschlagen und stand auf, verließ den Raum und sprang die Treppen im Treppenhaus hinunter, stieß die Haustür auf und ging auf die Straße, wischte sich den Zorn aus den Augen und verlor sich im Chaos seiner Gedanken.

 

Das eine homogene Masse mit einer Doktrin andere Meinungen oder Individualität nicht zuließ beziehungsweise unterdrückte, war so alt wie die Menschheit selbst, dachte er. Wie viel Christlichkeit oder Aberglaube in diesen Dogmen steckte, wusste er nicht, aber er wusste, dass er jemanden finden musste, der ihm zuhörte, bis ihn einer verstand. Oder sollte er darauf verzichten und sich assimilieren und damit seine Freiheit mit Füßen treten?

 

Wie oft hatte er in diesen ausweglosen Situationen an Selbstmord gedacht um ein Exempel zu statuieren? Abertausende Male. Einfach aufgeben und diesen Hurensöhnen und der ganzen Welt seinen Suizid auf die Schultern zu hieven. Es würde nicht helfen, darüber war er sich im Klaren und wert war es das auch nicht.

die freilassung

Der Regen erzählte die Geschichte von billionen von Jahren wie er sich über ihre Haut zog. Ihr kühlblondes Haar wog sich in der Nässe. Der Wind beichtete in den schweren Strähnen sein Verhängnis. Ihr wilder Schritt trotzte diesen Dingen, wie ihr Verstand, der sich damit begnügte den Zorn der menschlichen Natur zu verabscheuen. Denn das obsolete Rollenspiel sann in ihr nach einer Revolte. Die Illusion einer Doktrin, die Farce und ihr antagonistischer schlechter Beigeschmack, verlor sich und sollte verneint werden. Das Wetter wurde wütender und peitschte mit seiner Promiskuität die Blätter von den Bäumen. Indes sich ihr Geist vor Wut immer mehr verschleierte. Sie bog in die Allee ein in der sich ihr Hain versteckte. Mit summenden Gliedern und kreischenden Haltlosigkeiten betrat sie den Äther aus schweren Gasen. Die Musik dröhnte ihr den Eskapismus entgegen. Die vergessenen Gespräche hallten ihr ein Echo unverständlich in ihr Gedächtnis. Sie drehte am Rad der Zeit, um zu begreifen wieso. Ein weinender Gedanke schob sich in den Vordergrund ihres Bewusstseins und versuchte Fragmente von alten Liedern anzustimmen. Am Ende des nächsten Tages; als die Sonne sich verabschiedete und ihre rote Liebe über die Verwüstung, die Wind und Regen hinterlassen hatten - für sie die Schönheit der Verwüstung - ruhte endlich der schwarze Rabe, der seine Schwingen über ihr Gemüt gelegt hatte. Zärtlich fing sie an mit dem Lustknaben an der Geige ein c-Moll anzustimmen. Immer mehr, so schnell sie sich drehten, verwünschte sich ihr Dogma, tänzelnd, um ihr die Ouvertüre für ihr weiteres Leben zu vermachen. Im Garten - der Mond schien hell auf ihre Sehnsucht - verriet sie sich die Freiheit. Am Morgen, als sich die Sonne zu ihr legte, feierte sie ihre Wiedergeburt und schonte sich mit Banalitäten.


Das Projekt Kopfsalat - Freies Forum für Literatur und Kunst leitete ich von 2012 - 2016. In diesem Rahmen sind sieben Print-Ausgaben, drei Podcasts, ein Sampler, ein Laden in Leipzig, Partys und allerlei Lesungen entstanden.

kopfsalat podcast no. 3 (2015)

Film (1:13:48 min) 1920 x 1080

Regie, Produktions und Setaufnahmeleitung: Lenn Blaschke

Ton: Eike Egbers

Kamera: Paul Olfermann, Bela Berg, Joschua Behrens & Mirco Nietsche

Schnitt: Paul Olfermann

Sprecher: Eike Egbers

Catering: Alistair Carmichael & Ole Döpking